Die geplante Übernahme von Electronic Arts wird in den USA zunehmend zu einem politischen Thema. Mehr als 40 demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Federal Trade Commission gewandt und eine erneute, umfassende Prüfung des Deals gefordert. Der Ton des Briefes ist deutlich – und zeigt, wie sehr sich die Debatte inzwischen von reiner Wirtschaftspolitik hin zu einer grundsätzlichen Frage nach Arbeitsbedingungen und Marktmacht in der Games-Branche verschoben hat.
- Arbeitsmarkt statt Aktionärsperspektive
- Schulden, Sparzwang und strukturelle Risiken
- Kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Debatte
Adressiert ist das Schreiben an FTC-Chairman Andrew N. Ferguson. Unterstützt wird die Initiative vom Congressional Labor Caucus sowie der Gewerkschaft Communications Workers of America, die in den vergangenen Jahren immer stärker in der US-Games-Industrie präsent ist.
Arbeitsmarkt statt Aktionärsperspektive
Im Zentrum der Kritik steht die geplante Übernahme von Electronic Arts durch ein Konsortium rund um den saudischen Public Investment Fund, die Investmentgesellschaft Silver Lake sowie Affinity Partners. Der Deal hat ein Volumen von rund 55 Milliarden US-Dollar und wäre einer der größten Zusammenschlüsse in der Geschichte der Games-Industrie.
Die Abgeordneten argumentieren, dass EA bereits jetzt eine enorme Stellung auf dem US-Arbeitsmarkt für Spieleentwickler:innen habe. In einem Umfeld, das seit Jahren von Entlassungen, Studio-Schließungen und wachsender Unsicherheit geprägt ist, könne eine weitere Machtkonzentration zu sinkenden Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen führen. Im Brief wird explizit auf mehr als 1.700 Entlassungen bei EA seit 2023 verwiesen – ein Signal dafür, dass Arbeitnehmer:innen zunehmend weniger Ausweichmöglichkeiten hätten.
Schulden, Sparzwang und strukturelle Risiken
Besondere Sorge bereitet den Unterzeichner:innen die Finanzierung der Übernahme. Die dafür aufgenommenen Schulden könnten, so die Befürchtung, zusätzlichen Druck erzeugen, Kosten zu senken. Gemeint sind nicht abstrakte Effizienzmaßnahmen, sondern ganz konkrete Szenarien wie weitere Entlassungen, Offshoring, Restrukturierungen oder die Schließung von Studios.
Hinzu kommt ein strukturelles Argument: Die Käufer des EA-Konzerns halten Beteiligungen an Sportligen, Sportwetten-Plattformen, Talentmanagement-Firmen und technologiebezogenen Dienstleistern. In der Kombination mit einem der größten Spielepublisher der Welt sehen die Abgeordneten die Gefahr von Interessenkonflikten, Selbstbevorzugung und einer weiteren Verzerrung des Wettbewerbs – nicht nur im Spielemarkt, sondern auch im angrenzenden Sport- und Entertainment-Ökosystem.
Kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Debatte
Der Vorstoß reiht sich in eine Serie politischer Interventionen ein. Bereits zuvor hatten US-Senator:innen wie Richard Blumenthal und Elizabeth Warren vor der Übernahme gewarnt, damals mit Fokus auf ausländischen Einfluss und mögliche sicherheitspolitische Risiken. Der aktuelle Brief setzt nun stärker beim Arbeitsmarkt an und spiegelt damit eine Entwicklung wider, die auch in anderen Tech- und Medienbranchen zu beobachten ist.
Die Botschaft an die FTC ist klar: Es geht nicht nur um Wettbewerb auf dem Papier, sondern um reale Auswirkungen auf Menschen, die diese Spiele entwickeln. Ob die Behörde den Deal erneut aufrollt, bleibt offen – politisch wird es für EA und die beteiligten Investoren jedoch spürbar ungemütlicher.
Veröffentlicht: 24. Januar 2026 20:42 Uhr