VHG
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VHG gegründet: Games-Industrie sichert sich Anteile an Abgaben

Die deutsche Games-Branche hat jetzt ihre eigene Verwertungsgesellschaft. Die VHG – Verwertungsgesellschaft der Hersteller von Games – wurde nach zweieinhalb Jahren Genehmigungsprozess offiziell zugelassen. Damit reiht sie sich neben Organisationen wie der GEMA ein, ist aber keine „Games-GEMA“. Für Spieler:innen sollen keine direkten Mehrkosten entstehen, trotzdem könnte die Entwicklung für Konsolenhersteller und Hardware-Käufer spannend werden.

Inhaltsverzeichnis
  1. Worum es bei der VHG geht
  2. Keine Zusatzkosten für Gamer – aber neue Mitverdiener
  3. Streitpunkt Konsolen
  4. Wie es weitergeht

Worum es bei der VHG geht

Die Idee klingt trocken, hat aber Gewicht: Wer ein Handy, einen PC oder auch nur einen USB-Stick kauft, zahlt automatisch eine sogenannte Privatkopie-Abgabe. Sie fließt in einen großen Einnahmentopf, der bislang an Musiker, Autoren, Regisseure oder Synchronsprecher verteilt wurde. Allein 2023 kamen fast 60 Millionen Euro zusammen. Ab sofort will auch die Games-Branche ein Stück davon haben – schließlich gelten auch Screenshots, Esport-Mitschnitte oder Let’s Plays als legale Privatkopien.

Keine Zusatzkosten für Gamer – aber neue Mitverdiener

Die VHG betont, dass Spieler:innen nicht extra belastet werden. Das vorhandene Geld wird einfach an mehr Beteiligte ausgeschüttet. Publisher und Studios partizipieren also künftig an jeder verkauften Festplatte, jedem Gaming-PC oder Smartphone, das in Deutschland über den Ladentisch geht. Für die Branche sind das neue, sichere Einnahmen – für die ZPÜ, die zentrale Verwertungsgesellschaft für Überspielungsrechte, bedeutet es: Das Stück vom Kuchen wird kleiner.

Streitpunkt Konsolen

Besonders umkämpft ist die Frage, ob künftig auch Spielkonsolen unter die Abgabe fallen. Die ZPÜ will das – und hat bereits Verkaufszahlen bei Sony, Nintendo und Microsoft abgefragt. Betroffen wären auch Handhelds wie das Steam Deck, das ROG Ally oder Lenovos Legion. Bisher sind Konsolen im VHG-Vertrag allerdings explizit ausgenommen. Sollte ein Tarif kommen, würden nicht die Hersteller, sondern Kreative wie Designer, Grafiker oder Sprecher profitieren – vorausgesetzt, sie beantragen ihre Rechte über andere Gesellschaften wie die VG Bild-Kunst.

Wie es weitergeht

Jetzt müssen VHG und ZPÜ aushandeln, wie groß der Anteil der Games-Branche am Einnahmentopf ausfällt. Parallel prüfen Gutachten, wie Konsolen in der Praxis genutzt werden – und ob ein eigener Tarif juristisch Bestand hätte. Klar ist nur: Die VHG verschiebt die Machtbalance. Für die Industrie winken zusätzliche Millionen, für Spieler:innen bleibt das Thema erst mal unsichtbar.


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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️