Vor dem Gebäude von Take-Two in London war es eines frühen Morgens kaum zu übersehen: Die IWGB steht wieder vor der Tür – lauter, entschlossener und mit noch mehr Rückhalt als in der Woche zuvor. Es ist der zweite große Protest gegen die Entlassung von mehr als 30 Entwickler:innen bei Rockstar Games, ein Schritt, den die Gewerkschaft weiterhin als aktiven Versuch wertet, Gewerkschaftsarbeit zu verhindern.
Mehr Druck, mehr Stimmen, mehr Öffentlichkeit
Der Protest fällt in eine Phase, in der sich die Ereignisse rund um Rockstar überschlagen. Erst die Demonstrationen in London und Edinburgh, dann die eingereichten Klagen gegen das Studio, gefolgt von über 200 unterschriebenen Briefen, die Mitarbeitende von Rockstar North direkt an die Chefetage geschickt haben. In der Zwischenzeit ist das Thema sogar im britischen Unterhaus gelandet – ein seltener Moment für Arbeitskämpfe aus der Games-Branche.
Auf der Kundgebung spricht IWGB-Organiser Fred Carter offen davon, dass Rockstar die Intensität der Gegenwehr unterschätzt habe. Die Solidarität sei enorm, sagt er, und etwas, das das Management „so nicht versteht“. Gleichzeitig beschreibt er ein Klima, das vielen im Studio Angst macht. Viele seien verunsichert, zögerten, miteinander zu sprechen, aus Angst, ebenfalls Konsequenzen zu spüren. Umso bemerkenswerter sei es, dass über 200 Mitarbeitende den Mut gefunden haben, die unterschriebenen Briefe persönlich abzugeben.
Gewerkschaft sieht klare Gesetzesverstöße
Die IWGB ist überzeugt, dass Rockstars Vorgehen nicht nur moralisch fragwürdig, sondern schlicht rechtswidrig ist. Generalsekretär Henry Chango Lopez spricht von eindeutigen Verstößen gegen das Arbeitsrecht und davon, dass die Kündigungen klar mit der gewerkschaftlichen Organisation verknüpft seien. Genau das mache den Fall so wichtig: Gewerkschaftsarbeit müsse geschützt werden, auch – und gerade – in einer Branche, die stark auf befristete Verträge, Projektlogiken und Umstrukturierungen setzt.
Für die Gewerkschaft ist das Ziel klar umrissen: kurzfristig geht es um die Wiedereinstellung und eine faire Entschädigung der Betroffenen. Langfristig wollen sie ein Rockstar, das nicht aus Angst, sondern mit Mitsprache funktioniert – ein Studio, in dem Beschäftigte eine echte Stimme haben und nicht das Gefühl, ständig einen Schritt zu weit gehen zu können.
Die IWGB betont gleichzeitig Gesprächsbereitschaft. Wenn Rockstar reden will, sagt Chango Lopez, stehe die Tür offen. Ob das Studio das Angebot annimmt, bleibt offen – der Druck vor den Bürotüren nimmt jedenfalls nicht ab.
Veröffentlicht: 24. November 2025 03:06 Uhr