Am Freitag, dem 31. Oktober 2025, verwandelte sich die Comic Con Stockholm in eine Art Tempel des nerdigen Frohsinns. Drei Stars aus dem Rollenspiel‑Hit Baldur’s Gate 3 – Samantha Béart (Karlach), Devora Wilde (Lae’zel) und Tim Downie (Gale) – saßen auf der Bühne, bereit, über ihre Figuren, das Spiel und ihre Arbeit zu plaudern.
- „Ist das sowas wie Zelda?” – Die Stars über den Überraschungserfolg
- Wer ist wie Gale, Lae’zel oder Karlach?
- Live‑D&D und emotionale Tiefe
- Open World mit Terry‑Pratchett‑Humor
- Nerdige Fragen vom schwedischen Publikum
- Hinter den Kulissen der Motion Capture
- Sympathie für Nebenrollen und Lieblingsschurken
- Begeisterung auf beiden Seiten
Die Stimmung in der Halle war zugleich enthusiastisch und entspannt: der Moderator bat die Schweden höflich, sich in eine Schlange einzureihen, weil sie „berühmt fürs Schlangestehen“ sind, und die Fans gehorchten lachend. Dieses Panel war kein trockener PR‑Termin, sondern fühlte sich eher wie ein Treffen alter Freunde im Tavernenhof an.
„Ist das sowas wie Zelda?” – Die Stars über den Überraschungserfolg
Gleich zu Beginn wollte der Moderator wissen, ob den Darstellern klar war, dass Baldur’s Gate 3 ein weltweites Phänomen werden würde. Tim Downie antwortete mit britischem Humor: „Keine Ahnung. Absolut keine Ahnung“. Er und Devora Wilde witzelten, sie hätten „irgendein Zelda‑Spiel“ eingesprochen – eine herrliche Untertreibung.
Downie gab zu, dass er nur zwei Videospiele in seinem Leben gespielt hat (Donkey Kong und ein Simpsons‑Spiel) und bei Baldur’s Gate 3 wohl mehrere Stunden im Charaktereditor stecken bleiben würde. Diese Selbstironie zog sich wie ein roter Faden durch das Panel.
Wer ist wie Gale, Lae’zel oder Karlach?
Als Nächstes kam die Frage auf, wer von ihnen seiner Figur am ähnlichsten sei.
Devora Wilde gestand, dass sie sich nach den Aufnahmen erst wehrte, in Lae’zel Parallelen zu sehen, inzwischen aber akzeptiert, dass sie in ihrer Direktheit der Githyanki‑Kämpferin durchaus ähnlich ist. Samantha Béart wurde von ihren Kollegen als jemand mit „Golden‑Retriever‑Energie“ bezeichnet – sie strahle dieselbe freundliche Kraft aus wie Karlach. Tim Downie wiederum liebt Bücher, genau wie der belesene Magier Gale.
Diese kleinen Selbsterkenntnisse sorgten für viel Gelächter und zeigten, wie sehr sich die Figuren auch in den Darstellenden widerspiegeln.
Live‑D&D und emotionale Tiefe
Eine Zuschauerin erinnerte an die D&D‑Miniserie, in der die drei ihre eigenen Baldur’s‑Gate‑Charaktere live spielten. Für Wilde fühlte sich dieses Format wie ein zusätzliches DLC an: Ihre Lae’zel durfte im Tavernen‑Setting „mehr trinken und kämpfen“ und war „ein bisschen mehr wie sie selbst“. Béart erklärte, dass diese Impro‑Sessions wie eine zweistündige Show seien, bei der man mit vertrauten Figuren herumalbern könne.
Später fragte ein Fan, wie sie emotional auf die besonders intensiven Szenen des dritten Akts vorbereiteten, obwohl sie allein im Aufnahmestudi waren. Samantha Béart betonte, dass gutes Schreiben die Basis sei und dass Larian ihnen großartige Autoren und Regie zur Seite stellte.
Devora Wilde fand das Drehbuch besser als jedes Fernseh‑ oder Filmprojekt, an dem sie je mitgewirkt habe und erklärte, dass sie vieles chronologisch aufnehmen durften. Dadurch hatten sie die Geschichte im Kopf, als sie zu den emotionalen Höhepunkten kamen.
Tim Downie beschrieb, wie er sich den Underdark vorstellen musste, obwohl noch keine Assets existierten: „Es fühlt sich an wie mit fünf Jahren, wenn du einen Stock als Schwert nimmst und dir die Welt ausmalst“.
Nach einer vierstündigen Aufnahmesession sei er wie in Trance nach Hause gefahren – so anstrengend war die Arbeit.
Open World mit Terry‑Pratchett‑Humor
Als eine Zuschauerin fragte, ob ihre Vorstellung von der Welt sich mit dem fertigen Spiel deckte, schwärmte Devora Wilde von der Detailverliebtheit des Open‑World‑Rollenspiels. Sie war überwältigt von der Freiheit der „verzweigten Erzählung“.
Samantha Béart ergänzte, dass das Spiel alle Tonalitäten zulasse: Man könne es „wie Tolkien, aber auch wie Douglas Adams oder Terry Pratchett“ spielen; der Humor reiche von episch bis absurd.
Diese Offenheit spiegelte sich auch in ihrem eigenen Spielstil wider: Béart gesteht, dass sie Karlach sehr chaotisch gespielt habe und einfach schaute, was sich ergab.
Interessant war die Beobachtung der Schauspielenden, dass viele schwedische Fans erstaunlich tiefgründige Fragen stellten.
Devora Wilde bedankte sich im Panel explizit bei Schweden für die „wirklich guten, zum Nachdenken anregenden Fragen“ und meinte, solche Fragen hätten sie in zweieinhalb Jahren Tour noch nie gehört.
Die lockere Atmosphäre machte es möglich, dass sowohl ernste als auch skurrile Themen zur Sprache kamen.
Nerdige Fragen vom schwedischen Publikum
Im Q&A‑Teil durften die Fans ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Eine junge Künstlerin wollte wissen, welches Tier zu den Figuren passt. Devora Wilde assoziiert Lae’zel mit „einer sehr wilden, aber ein bisschen domestizierten Katze“.
Tim Downie sah Gale als „sehr regal wirkende Eulen‑Harpy“, woraufhin Béart lachend einwarf, ein Pitbull‑Terrier, der unerwartet Gesichter zerfetzen könne, passe zu Karlach – das passte zu der Halloween-Begeisterung im Saal.
Die nächste Frage war noch schräger: „Wenn eure Figur ein Essen wäre, welches?“ Wilde sagte, sie wäre „eine Ananas – kratzig außen, mit einer zitrusfrischen Überraschung innen“. Downie beschrieb sich als aufwändiges Dessert in einem Michelin‑Restaurant mit Rauch und Schokoladenkugel, während Béart die Vielfalt eines vegetarischen indischen Thali‑Tellers wählte, weil sie „von allem etwas probieren“ will.
Viele wollten wissen, wen sie sonst gern synchronisieren würden. Wilde bekannte, dass sie gern einen Klassik‑Bösewicht wie Orin oder Mizora sprechen würde, weil Bösewichte „so viel Spaß haben“. Tim Downie träumte vom kleinen Gnom, der im Windmühlendorf durch die Luft geschleudert wird – offensichtlich begeistern ihn kuriose Nebenrollen.
Andere Fragen drehten sich um Lieblingszeilen aus dem Spiel. Downie erzählte, dass der ikonische Ausspruch „Stop licking the damn thing!“ ursprünglich ganz trocken aufgenommen werden sollte. Er spielte die Zeile dann wie ein genervter Vater, dessen Kind Eis vom Boden leckt. Im Studio lachten alle, glaubten aber nicht, dass diese Version im Spiel landen würde – heute ist sie Kult.
Selbst die Frage, wen man lieber eine Woche lang in einem Käfig einsperren würde – Astarion oder Halsin als Bär –, wurde gestellt. Béart und Wilde waren sich einig: Immer den Bären! – denn wer möchte keinen flauschigen Halsin als Wärmer haben?
Hinter den Kulissen der Motion Capture
Was macht das Schauspiel in einem Videospiel so besonders? Tim Downie gab zu, dass er diese Kunstform unterschätzt hatte. Er betonte, dass Game‑Acting eine eigene Disziplin sei, bei der Stimme, Körperhaltung und Vorstellungskraft zusammenkommen. Man müsse „ohne Gesicht, aber mit Körper“ spielen, ohne in Pantomime zu verfallen.
Wilde und Béart ergänzten, dass die Motion‑Capture‑Anzüge „das unvorteilhafteste Kleidungsstück überhaupt“ seien und dass sie teilweise bei Feueralarm in diesen Anzügen auf die Straße mussten.
Die Vorbereitungen reichten von Githyanki‑Sprachkursen bis zu Studien über Körperhaltung. Wilde erzählte, dass sie sich gegen Ende ihrer Aufnahmezeit so sicher fühlte, dass sie Regisseure beim falschen Githyanki‑Akzent korrigierte.
Béart hatte Karlach erst am Ende in voller Pracht gesehen und war überrascht, wie groß und attraktiv die Dämonin gezeichnet wurde. Weil Karlach im Spiel zwei Meter groß ist, arbeitete Béart mit Bewegungs‑Coaches und Masken, um sich diese Statur anzueignen.
Sympathie für Nebenrollen und Lieblingsschurken
Natürlich durften auch Fragen zu Lieblingsschurken nicht fehlen. Béart outete sich als Gortash‑Hasserin – „ich liebe es, ihn zu töten, nur damit ich seinen Mantel tragen kann“.
Wilde nannte Orin als Favoritin, weil diese Figur „sexy und gefährlich“ sei und fügte einen sarkastischen Nebensatz ein: Ihr liebster „Nebenbösewicht“ sei Gales abgetrennte Hand, die sie immer wieder abhaut.
Besonders charmant war die Ehrlichkeit, mit der sie über ihre eigenen Lieblingsprojekte sprachen. Béart schwärmte von Fading Echo, einem neuen Spiel der ehemaligen Blizzard‑Entwickler, das aussieht wie Wind Waker und bei dem sie eine Wasserfigur spricht.
Downie erinnerte sich mit Freude an die Amazon-Serie Good Omens, weil er darin von einem Dämon gefressen wurde und später Gott in einer Kaffee-Schlange traf – britischer Humor in Reinkultur.
Begeisterung auf beiden Seiten
Als das Panel nach fast einer Stunde endete, hätten Fans wie Schauspieler wohl noch lange weiterreden können. Die Mischung aus ernsten Einblicken in die Schauspielkunst, nerdigen Fragen, britischem und githyankischem Humor und dem spürbaren Stolz auf Baldur’s Gate 3 machte den Abend so unvergesslich.
Die Stars würdigten das Spiel als künstlerischen Höhepunkt ihrer Karriere und lobten die Qualität der Larian‑Autoren. Gleichzeitig fühlte sich das Gespräch so locker und herzlich an, dass man beinahe vergessen konnte, wer hier auf der Bühne saß.
Schwedische Fans, die normalerweise als zurückhaltend gelten, stellten eine Reihe intelligent‑nerdiger Fragen und durften gemeinsam mit ihren Helden lachen. Es war ein Panel wie ein gutes D&D‑Abenteuer, denn Geschichten werden am besten gemeinsam erlebt. Und manchmal sollte man dann auch seine Party wie Tim Downie vor unüberlegten Entscheidungen warnen: „Stop licking the damn thing!“
Veröffentlicht: 8. November 2025 16:25 Uhr