Ich war nie besonders gut in Biologie. In der Schule war das das Fach, in dem ich begeistert nickte, während mein Gehirn insgeheim komplett ausgestiegen war. Photosynthese? Verstanden. Für zwei Wochen. Dann weg.
- Willkommen auf der Erde. Du wirst sie kaum erkennen.
- Botanik als Mechanik – und das funktioniert wirklich
- Die Neandertaler sind kein Beiwerk
- Was Early Access bedeutet – ehrlich gesagt
- Auf einem prähistorischen Planeten gut aussehen
- Fremder auf einem vertrauten Planeten
Und jetzt sitze ich vor Astrobotanica, einem Survivalspiel, in dem ich als außerirdischer Botaniker auf der prähistorischen Erde abstürze – und merke, dass ich seit Stunden Pflanzen scanne, Böden analysiere und Tonika braue, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Was mir mein Biologielehrer Herr Escher in mehreren Jahren nicht beigebracht hat, hat Space Goblin Studio in einer Spielsitzung hinbekommen.
Auf einen Blick
- Genre: Science-Driven Survival, Erkundung, Farming
- Entwickler/Publisher: Space Goblin Studio
- Erschienen: 16. Februar 2026 (Early Access, Steam)
- Was geboten wird: Botanik-Survival mit Crafting, Basenbau, Rätselpassagen und Neandertaler-Diplomatie auf einer prähistorischen Insel
Willkommen auf der Erde. Du wirst sie kaum erkennen.
Ich spiele Xel, einen hochqualifizierten Alien-Botaniker, der auf der Suche nach seltenen Samen für seinen sterbenden Heimatplaneten auf der Erde der Pleistozän-Ära bruchlandet. Das erste Problem: Die Erde hat längst eine sauerstoffreiche Atmosphäre. Für Xel ist das tödlich.
Statt Sauerstoff braucht Xel CO₂ zum Atmen. Der erste Spielschritt ist also nicht: Haus bauen, Nahrung sammeln, Feinde besiegen. Der erste Spielschritt ist buchstäblich: atmen lernen.
Diese kleine Verschiebung ändert alles. Survival-Games stellen mich normalerweise in eine bekannte Welt und lassen mich überleben. Astrobotanica dreht das um: Ich bin der Fremde hier. Die Erde ist die feindliche Umgebung. Und ausgerechnet die Natur, die mich töten will, ist auch meine einzige Rettung.
Das erste Mal, als mein CO₂-Vorrat zur Neige ging und ich panisch die nächste Pflanze scannte, um herauszufinden, ob sie mir helfen kann, war ein Moment, den ich in keinem anderen Survivalspiel so erlebt habe.
Botanik als Mechanik – und das funktioniert wirklich
Das Herzstück des Spiels ist das Scannen und Verarbeiten von Pflanzen. Ich laufe durch vorhistorische Wälder, halte mein Scanner-Gerät auf unbekannte Flora und lerne, was sie kann: diese hier produziert CO₂, jene lindert Wunden, eine dritte macht mich schneller.
Roh gegessen entfalten Pflanzen eine Wirkung. Als Tonikum gebraut – in meiner kleinen Medicine Maker-Maschine im Basislager – sind sie stärker, spezifischer, manchmal überraschend anders. Ein „misslungenes” Tonikum aus zwei Zufallszutaten gab mir einmal einen Ausdauer-Boost. Das Spiel belohnt Neugier, nicht Planung.
Es gibt einen P.R.I.M.A.L.-Fähigkeitenbaum, der Xels Kenntnisse strukturiert und neue Crafting-Möglichkeiten freischaltet. Fortschritt fühlt sich hier weniger wie Levelaufstieg an, sondern wie echter Wissenszuwachs. Als hätte ich tatsächlich etwas verstanden – nicht nur Punkte gesammelt.
Die Neandertaler sind kein Beiwerk
Eines der schönsten Dinge an Astrobotanica: Die Ureinwohner der Insel, neugierige und zunächst scheue Neandertaler, sind keine Questgeber mit Ausrufezeichen über dem Kopf. Ich lerne ihre Sprache durch Interaktion, scanne ihre Gesundheit, braue ihnen Heiltonika.
Das erste Mal, als Ube – einer der ersten Ureinwohner, denen ich begegne – nach einer kurzen Heilbehandlung aufhörte zu husten und mich ansah, fühlte sich das weniger wie ein Spielfortschritt an und mehr wie ein echter Kontaktmoment. Ich war kurz vergessen, dass ich vor einem Monitor saß.
Die Diplomatie-statt-Kampf-Logik des Spiels setzt sich hier durch. Es gibt keine Kämpfe gegen Menschen. Es gibt Verständigung. Das ist selten, und es funktioniert.
Was Early Access bedeutet – ehrlich gesagt
Astrobotanica ist ein Early-Access-Spiel, und das merkt man. Die aktuelle Version bietet eine vollständig spielbare Insel mit soliden Kernmechaniken, aber das Spiel ist an manchen Stellen noch dünn.
Das Tutorial ist schwächer als die Mechaniken es verdienen: Ich habe in den ersten zwanzig Minuten mehrfach nicht gewusst, wohin mich das Spiel eigentlich führen will. Die rund 25 Bau-Optionen im Basenbau-Modus fühlen sich für den Umfang des Spiels noch knapp an, und die Narrative – Xels Hintergrundgeschichte, die Ruinen einer verschwundenen Zivilisation auf der Insel – deutet auf mehr hin, als sie bisher zeigt.
Der 2026-Roadmap zufolge kommen Pflanzenhybridisierung, Fischen und erweiterte Stammes-Interaktionen. Ich glaube, dass genau diese Inhalte den Unterschied machen werden. Das Fundament ist gut. Es braucht noch Höhe.
Auf einem prähistorischen Planeten gut aussehen
Visuell hat Astrobotanica einen eigenen Stil: satt, farblich warm, irgendwo zwischen stylisierten Naturkundezeichnungen und einem großen Indie-Budget. Vorhistorische Tiere wandern durch die Landschaft, Sonnenlicht bricht durch prä-evolutionäre Baumkronen, und wenn die Nacht hereinbricht, leuchten die Sterne so intensiv, dass ich einmal tatsächlich stehen geblieben bin, um die Aussicht zu genießen.
Die Steuerung mit Controller funktionierte bei diesem Game gut genug – auch wenn die Maus-Tastatur-Kontrolle präziser wirkt.
Fremder auf einem vertrauten Planeten
Astrobotanica hat mir etwas Unerwartetes gegeben: eine neue Perspektive auf einen Planeten, den ich zu kennen glaubte. Als Alien auf der Erde zu überleben, fühlt sich philosophisch seltsam passend an. Wir alle agieren gelegentlich wie Xel, landen irgendwo, wo die Atmosphäre nicht ganz stimmt, scannen was uns begegnet und versuchen herauszufinden, wie wir trotzdem atmen können.
Für ein Early-Access-Spiel ist Astrobotanica bereits erstaunlich kohärent in seiner Vision. Es ist ruhig, neugierig, und es nimmt mich ernst genug, um mir das Denken nicht abzunehmen.
Ich vermute, dass Herr Escher inzwischen im Ruhestand ist. Ob er sich mal eine Runde Gaming gönnt? Wenn ja, dann könnte dieses Spiel zu ihm passen.
Veröffentlicht: 3. März 2026 08:45 Uhr