Wenn ein Spiel zwölf Nominierungen einfährt und damit Geschichte schreibt, schaut die Branche automatisch genauer hin – und die Menschen, die dahinterstehen, erst recht. Beim Ensemble von Clair Obscur: Expedition 33 löst dieser Moment aber nicht nur Stolz aus, sondern auch eine klare Forderung: Motion-Capture-Leistungen brauchen endlich eine eigene Bühne.
- Warum Motion Capture oft unsichtbar bleibt
- Ein Moment, der nach mehr Kategorien schreit
- Ein Push von innen heraus
Warum Motion Capture oft unsichtbar bleibt
Aliona Baranova, selbst Teil des Casts und als Performance Director bei Baldur’s Gate 3 schon länger eine Stimme für körperliche Schauspielarbeit, bringt es im Gespräch mit VGC auf den Punkt. Sie fragt, ob sie „ihre Petition einreichen darf“ – und meint das absolut ernst. Seit Jahrzehnten stecken Schauspieler*innen im Anzug die ganze körperliche Präsenz einer Figur in eine Szene, nur damit später eine andere Stimme darübergelegt wird und ihr Name in der Wahrnehmung verschwinden kann. Baranova sagt: Diese Lücke merkt man erst, wenn jemand wie Charlie Cox öffentlich seinen Mocap-Partner Maxence Cazorla würdigt und damit offenlegt, wie viele Performances eigentlich zwei Menschen sind.
Sie beschreibt Motion Capture als eigenen kreativen Kosmos, der dringend mehr Sichtbarkeit braucht. Nicht nur für Credits – sondern auch, damit Studios sich trauen, mehr Behind-the-Scenes-Material zu teilen. Denn die Nachfrage ist da, die Wertschätzung aber noch nicht.
Ein Moment, der nach mehr Kategorien schreit
Auch Devora Wilde zeigt sich überrascht, dass The Game Awards bislang keine differenzierteren Performance-Kategorien anbieten. Gerade in einem Medium, das seit Jahren in Richtung filmische Inszenierung marschiert, wirken die bisherigen Auszeichnungen fast ein bisschen aus der Zeit gefallen. Wenn Games immer mehr Facetten von Schauspiel vereinen – Stimme, Körper, Mimik, mechanisches Timing – warum wird dann nur ein Bruchteil davon prämiert?
Und Clair Obscur zeigt exemplarisch, wie engstirnig die bestehende Struktur sein kann: Je filmischer und körperlicher Spiele werden, desto größer wird die Diskrepanz zwischen dem, was geleistet wird, und dem, was ausgezeichnet wird.
Ein Push von innen heraus
Baranova sagt, dass Aufmerksamkeit ein Kreislauf ist. Wenn Preisverleihungen Mocap ernst nehmen, öffnen Studios ihre Archive, Fans lernen die Gesichter hinter den Bewegungen kennen, und plötzlich wird sichtbar, wie groß der kreative Anteil dieser Arbeit wirklich ist. Dass die Forderung aus einem Cast kommt, der gerade eine Rekordzahl an Nominierungen trägt, gibt ihr zusätzliches Gewicht.
Vielleicht ist jetzt der Moment, an dem die Game Awards nachziehen müssen – bevor das Medium noch größer wird und die Lücke zwischen Performance und Anerkennung weiter auseinandergeht.
Veröffentlicht: 10. Dezember 2025 01:45 Uhr