Cold Abyss
Studio [notes.]

Cold Abyss: Die Demo, in der das Meer zurückschaut

Ich habe diese Demo auf dem Steam Deck gespielt, spätabends, mit Kopfhörern, und ich weiß nicht, ob das mutig oder einfach nur dumm war. Cold Abyss ist nämlich kein Spiel, das man „mal kurz“ anschmeißt. Es ist eher ein Blick in eine Welt, die eigentlich nie für uns gedacht war – dunkel, still, endlos. Und dann stehst da plötzlich du, mit einer Stirnlampe, einem Schweißgerät und einem Job, den niemand in seiner LinkedIn-Bio haben möchte: Tiefsee-Kabelreparatur unter Zeitdruck und Sauerstofflimit.

Inhaltsverzeichnis
  1. Der Ozean lässt dich erst los, wenn du ihn verstehst
  2. Eine Demo, die mehr verspricht, als sie zeigt
  3. Potenzial, das erst noch an die Oberfläche muss

Was das Spiel sofort gut macht, ist diese Stille. Es ist nicht jumpscare-loud, es ist tiefes, bedrückendes Schweigen, in dem jedes Knacken, jedes Flackern deiner Lampe wirkt wie ein Ereignis. Die Demo beginnt mit einer Reihe von Cutscenes, die ein bisschen zu lange brauchen zum Atmen, aber dafür setzen sie diesen Ton ganz gut: Irgendjemand war vor dir schon hier unten – und kam nicht zurück. Dein Vorgänger ist einfach verschwunden. Kein Drama, keine Erklärung. Und jetzt bist du dran.

Der Ozean lässt dich erst los, wenn du ihn verstehst

Als ich dann endlich in meinem Unterwasser-Overall steckte und das erste Mal rausgeschickt wurde, war alles kurz so: „Okay… ist das jetzt wirklich alles? Kabel suchen, Kabel schweißen, zurückfahren?“ Und vielleicht ist genau das der Punkt. Die Demo ist spielmechanisch minimalistisch, teilweise fast zu minimalistisch. Du bekommst ein Signal, stapfst durch die Finsternis, findest das kaputte Stück Leitung, fummelst kurz daran herum und hoffst, dass dein Sauerstoff reicht. Und jedes Mal, wenn ich im Dunkeln die Richtung verlor, war da kurz dieses Gefühl von: Das Meer ist viel größer als ich und absolut nicht daran interessiert, dass ich das hier schaffe.

Was ich mochte: Dieses subtile Gefühl, dass etwas hier unten nicht stimmt. Man sieht keine Kreaturen, keine Schatten, keine Monster – aber deine Vorstellungskraft übernimmt sehr schnell. Durchs Rauschen im Funk hörst du manchmal Stimmen, die eigentlich nicht da sein sollten. Und der Moment, in dem ich an einem gigantischen toten Wal vorbeilief, der wie ein Monument im Sand lag, war einer dieser Augenblicke, die dir wirklich unter die Haut kriechen. Keine Musik, kein Effekt, einfach nur da. Und ich hab unwillkürlich langsamer gemacht.

Eine Demo, die mehr verspricht, als sie zeigt

Was ich nicht mochte: die technischen Macken, zumindest auf dem Steam Deck. Ein paar Mal wurde der Bildschirm schwarz, obwohl das Audio noch lief. Dann merkt man erst, wie abhängig man in diesem Spiel von der eigenen Taschenlampe ist – und wie sehr das ganze Erlebnis zerfällt, wenn die Anzeige spinnt. Die Keybindings waren auch nicht ganz sauber, vor allem, weil man nur ein Tool gleichzeitig ausrüsten kann und sich das nicht immer intuitiv anfühlt. Und ja, diese ultralangen Liftfahrten und Cutscenes schreien ein bisschen nach „Editor mag Pausen“.

Was Cold Abyss in der Demo aber zeigt, ist eine Atmosphäre, die wirklich funktioniert. Es ist kein Survival-Horror, kein Schockspiel, kein Actiontitel – es ist dieses extrem spezifische Gefühl, allein zu sein, in einer Umgebung, die dich nicht bemerkt und dich trotzdem verschlucken könnte. Die Demo deutet kleine Story-Fragmente an, verteilt Hinweise wie Brotkrumen: alte Anlagen, verrostete Strukturen, seltsame Konstruktionen, fremde Funksprüche. Nichts davon ergibt schon ein klares Bild, aber man spürt, dass da noch viel drunter liegt.

Potenzial, das erst noch an die Oberfläche muss

Ich glaube, was mir hier fehlt, ist der Moment, der die Demo „klick“ macht – ein Twist, ein Problem, ein erster richtiger Puls. Etwas, das zeigt, dass die fertige Version mehr will als Kabel-Minijobs. Die Stimmung sitzt. Die Welt sitzt. Das Potenzial sitzt. Aber Gameplay-seitig fühlt es sich aktuell eher nach Konzeptzeichnung an als nach echtem Abschnitt aus dem fertigen Spiel.

Trotzdem: Cold Abyss bleibt hängen. Und zwar genau wegen dieser Kombination aus langsamer Enge, absoluter Finsternis und diesem Gefühl, dass dein Kopf der größte Gegner ist. Dass du dich bei jedem Schritt fragst, ob du gerade wirklich allein bist. Ich würde es nicht „entspannend“ nennen, wie es der Entwickler tut, aber es ist meditativ in einer seltsamen, beklemmenden Art.

Ich bin gespannt, ob die Vollversion das Versprechen einlöst – und ob irgendwer da unten noch auf mich wartet.


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Author
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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️