Das Story and Franchise Development Team von Blizzard hat sich gewerkschaftlich organisiert. Nach einer Abstimmung schließt sich das SFD-Team der Communications Workers of America in Orange County an. Microsoft hat die Gewerkschaftsbildung freiwillig anerkannt – ein Schritt, der mittlerweile fast schon Routine bei den Blizzard-Teams ist.
- Warum sich das Story-Team organisiert hat
- Microsoft erkennt Gewerkschaft an – wieder einmal
- Zeichen der Zeit in der Gaming-Branche
Es ist bereits die dritte Gewerkschaftsgründung bei Blizzard binnen eines Jahres. Im Juli 2024 organisierten sich die World of Warcraft-Entwickler, im Mai 2025 folgte das Overwatch 2-Team. Beide schlossen sich ebenfalls der CWA an. Ein Trend, der sich fortsetzt und zeigt, wie sich die Stimmung in der Gaming-Branche verändert hat.
Das SFD-Team ist verantwortlich für Cinematics, Animation und narrative Inhalte – also für die Trailer, Cutscenes und Story-Elemente, die Blizzard-Spiele ausmachen. Laut CWA ist es das erste hauseigene Cinematic- und Narrative-Studio, das sich in der nordamerikanischen Gaming-Industrie gewerkschaftlich organisiert hat.
Warum sich das Story-Team organisiert hat
Buddy Fisk, einer der Gewerkschaftsorganisatoren und Principal Editor, bringt es auf den Punkt: “Nach mehr als einem Jahrzehnt bei Blizzard habe ich alle Höhen und Tiefen miterlebt. Jahrelang war Blizzard ein Ort, wo Menschen ihre Karriere aufbauen und jahrzehntelang bleiben konnten, aber diese Stabilität schwindet.” Mit der Gewerkschaft wolle man bewahren, was Blizzard besonders mache, echte Transparenz bei Entscheidungen schaffen und faire Behandlung für alle sicherstellen.
Die jüngsten Entlassungen bei Microsoft haben diese Sorgen verstärkt. Im letzten Monat verlor Blizzard viele Mitarbeiter des Warcraft Rumble-Teams, Microsoft insgesamt rund 9.000 Jobs. Sammi Kay, Associate Producer und Organisatorin, sagt: “Diese letzten Monate fühlten sich sowohl wichtig als auch kathartisch an, angesichts dessen, was mit Videospiel-Arbeitern in der ganzen Branche passiert ist.”
John Giarratana, Cinematic Producer und Organisator, ergänzt: “Unsere Abteilung hat einige der talentiertesten und engagiertesten Leute, mit denen ich je gearbeitet habe. Ich bin begeistert, dass wir uns zusammengeschlossen haben, um meine Kollegen vor Dingen wie verfehlten Richtlinien und Instabilität durch Entlassungen zu schützen.”
Microsoft erkennt Gewerkschaft an – wieder einmal
Microsoft hat die Gewerkschaftsbildung ohne Widerstand anerkannt. Das ist mittlerweile fast schon Standard bei dem Konzern, seit er 2023 Activision Blizzard übernommen hat. Die Strategie scheint zu sein: Lieber kooperieren als kämpfen.
CWA Local 9510 Präsident Jason Justice zeigt sich erfreut: “Diese Arbeiter setzen den Standard für Animation, Cinematics und Storytelling in der Videospiel-Industrie und schaffen die atemberaubenden Cutscenes, Trailer und anderen narrativen Inhalte, die Fans über alle Blizzard-Franchises hinweg lieben gelernt haben.”
Das SFD-Team schließt sich damit fast 3.000 Arbeitern in Microsoft-eigenen Studios an, die sich seit der Übernahme gewerkschaftlich organisiert haben. Die Campaign to Organize Digital Employees (CODE-CWA) hat in den letzten fünf Jahren über 6.000 Arbeiter in den USA und Kanada organisiert.
Zeichen der Zeit in der Gaming-Branche
Die Gewerkschaftsbildung bei Blizzard spiegelt eine größere Entwicklung in der Tech- und Gaming-Industrie wider. Unsichere Arbeitsplätze, häufige Entlassungen und fehlende Transparenz bei Unternehmensentscheidungen treiben Arbeiter dazu, sich zu organisieren.
Erst letzte Woche sicherten sich die Arbeiter von Raven Software einen historischen Vertrag mit Microsoft. Die ZeniMax QA-Entwickler schlossen bereits im Juni einen Vertrag ab. Es zeigt sich ein Muster: Teams organisieren sich, Microsoft erkennt an, Verträge werden ausgehandelt.
Rod Fergusson, General Manager von Diablo, verließ kürzlich Blizzard nach fünf Jahren. Gleichzeitig deutete Blizzard-Präsidentin Johanna Faries an, dass mehr TV- und Filmprojekte auf Basis der Studio-Franchises kommen könnten. Die Branche ist im Wandel – und die Arbeiter wollen mitbestimmen, wohin die Reise geht.
Veröffentlicht: 19. August 2025 07:18 Uhr