Nach Monaten voller Hiobsbotschaften wirkt die Lage in der Spielebranche auf den ersten Blick ruhiger. Die großen Schlagzeilen rund um Massenentlassungen sind seltener geworden, Studioschließungen nicht mehr im Wochenrhythmus präsent. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Die Zahlen sind alles andere als eindeutig – und das hat Gründe.
- Weniger große Einschnitte, mehr blinde Flecken
- Warum viele Entlassungen nie auftauchen
- Prognosen schwanken, Tendenz bleibt unklar
- Eine Branche zwischen Erholung und Unsichtbarkeit
Weniger große Einschnitte, mehr blinde Flecken
Öffentliche Tracker deuten darauf hin, dass deutlich weniger Stellen gestrichen wurden als im Jahr zuvor. Einer der bekanntesten, gepflegt vom Technical Artist Farhan Noor, kommt aktuell auf etwas über fünftausend bekannte Entlassungen. Das wäre ein spürbarer Rückgang gegenüber der Phase, in der die Branche regelrecht im Krisenmodus lief.
Das Problem dabei: Diese Zahl ist bestenfalls eine Momentaufnahme. Mehrere große Einschnitte fehlen oder sind nur ungenau erfasst. Dazu zählen unter anderem Umstrukturierungen bei Microsoft, bei denen später bestätigt wurde, dass auch Xbox betroffen war – allerdings ohne klare Aufschlüsselung. Auch Einschnitte bei Electronic Arts oder Warner Bros. lassen sich nicht immer sauber beziffern.
Warum viele Entlassungen nie auftauchen
Einen anderen Blick auf die Lage wirft Amir Satvat, Business Development Director bei Tencent Games. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Folgen von Entlassungen und hilft Betroffenen aktiv bei der Jobsuche. Seine Einschätzung fällt deutlich vorsichtiger aus.
Satvat geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der Entlassungen nie öffentlich wird. Gemeint sind stille Kürzungen, regionale Einschnitte oder das Auslaufen von Verträgen innerhalb größerer Konzernumbauten. Gerade bei externen Teams, Projekten oder einzelnen Games verschwinden Stellen oft, ohne jemals offiziell genannt zu werden. In vielen Fällen tauchen sie weder in Pressemitteilungen noch in öffentlichen Trackern auf.
Prognosen schwanken, Tendenz bleibt unklar
Auch Satvats eigene Einschätzungen haben sich im Laufe der Zeit verschoben. Zwischenzeitlich rechnete er mit deutlich höheren Zahlen, passte seine Prognosen später nach unten an – nur um zuletzt wieder von deutlich mehr bekannten Fällen zu sprechen, als viele öffentliche Übersichten nahelegen. Sein aktueller Ausblick liegt spürbar über den niedrigsten Schätzungen, bleibt aber klar unter den extremen Ausschlägen der Vorjahre.
Das zeigt vor allem eines: Die Branche ist zwar nicht mehr im freien Fall, aber auch weit von Stabilität entfernt. Solange Entlassungen leise, fragmentiert und ohne klare Kommunikation ablaufen, bleibt jede Zahl unvollständig.
Eine Branche zwischen Erholung und Unsichtbarkeit
Dass weniger große Massenentlassungen Schlagzeilen machen, ist kein schlechtes Zeichen. Gleichzeitig verdeckt diese Ruhe, wie viele Jobs tatsächlich verschwinden – oft ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Zwischen vorsichtiger Erholung und strukturellen Einschnitten bewegt sich die Branche aktuell in einer Grauzone.
Wer versucht, die Lage mit einer einzigen Zahl zu erklären, greift zu kurz. Die Entlassungswelle mag langsamer geworden sein, wirklich greifbar ist sie deshalb noch lange nicht.
Veröffentlicht: 25. Dezember 2025 02:49 Uhr