Konrad Tomaszkiewicz wählt seine Worte selten leichtfertig. Der ehemalige Witcher-3-Director und heutige Kopf hinter The Blood of Dawnwalker hat in einem Interview mit Eurogamer über den Einsatz von KI in der Spieleentwicklung gesprochen – und seine Haltung ist bemerkenswert nüchtern. KI kann nützlich sein, sogar sehr. Aber sie ist für ihn ein Werkzeug, kein Ersatz für Menschen. Und schon gar nicht der Motor für kreative Welten, die wirklich etwas bedeuten.
- KI als Werkzeug, nicht als Kreativdirektor
- „Ich glaube nicht, dass KI kreative Menschen ersetzt“
- Eine Branche zwischen zwei Extremen
KI als Werkzeug, nicht als Kreativdirektor
Tomaszkiewicz erzählt, dass Rebel Wolves in der Entwicklungsphase KI-Stimmen genutzt hat, um Dialoge früh hörbar zu machen und schneller testen zu können, wie Szenen wirken. Wer schon einmal eine narrative Produktion gebaut hat, versteht den Unterschied sofort: Zwischen Textblöcken und echten Stimmen liegen Welten, und ein Tool, das diesen Schritt simuliert, kann Iterationen beschleunigen.
Aber für Tomaszkiewicz ist hier eine klare Grenze erreicht. Sobald die Geschichte sitzt, übernehmen wieder echte Sprecher:innen. Für ihn ist das keine nostalgische Entscheidung, sondern eine Haltung: KI soll helfen, nicht ersetzen.
„Ich glaube nicht, dass KI kreative Menschen ersetzt“
Die zugespitzte Frage, ob KI künftig komplexe kreative Arbeit vollständig übernehmen könnte, beantwortet Tomaszkiewicz direkt: nein. Er sieht die Diskussion um KI als noch nicht ausgereift, gerade wenn es um Rechte, Trainingsdaten und die Herkunft von Stil und Ausdruck geht. Alles, was KI erzeugt, basiert auf menschlichen Werken – und damit auf etwas, das nicht einfach ersetzt oder entkoppelt werden kann.
Er sagt es auf eine Weise, die hängen bleibt: Spiele, die ausschließlich von KI gebaut werden, hätten „keine Seele“. Kein Gespür für Kontext, keine Intuition, kein Gefühl für die kleinen menschlichen Brüche, die große Geschichten tragen.
Eine Branche zwischen zwei Extremen
Tomaszkiewicz’ Ton steht im Kontrast zu vielen aktuellen Stimmen aus der Industrie. Ubisoft-CEO Yves Guillemot bezeichnet generative KI als „Revolution so groß wie der Sprung zu 3D“. Arrowhead-CEO Shams Jorjani dagegen mahnt, dass sich die Debatte oft zwischen Hype und Panik verliert – und die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.
Genau dort verortet sich auch Tomaszkiewicz: zwischen Neugier und Verantwortung, zwischen Effizienz und Kreativität. KI als Werkzeug, nicht als Ersatz. KI als Prozesshilfe, nicht als Identität einer Welt.
Und genau das macht seine Position in diesem hitzigen Jahr so wertvoll: eine Stimme, die weder verteufelt noch verklärt, sondern versucht zu halten, was Games im Kern ausmacht – Menschen, die Geschichten für Menschen erzählen.
Veröffentlicht: 2. Dezember 2025 02:48 Uhr