Nexon
Junghun Lee / Nexon

Nexon-CEO: „Man sollte davon ausgehen, dass Studios KI nutzen“

Die Diskussion um KI im Gaming kocht gerade wieder hoch – und diesmal ausgehend von Nexon. In einem Interview mit Game*Spark, das von Automation übersetzt wurde, spricht CEO Junghun Lee erstaunlich offen über KI-Einsatz in der Branche. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Arc Raiders steht seit seinem Release unter Beobachtung, weil das Spiel KI-gestützte Text-to-Speech-Stimmen nutzt.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum Nexon glaubt, dass KI inzwischen Standard ist
  2. Und dann kommt die Gegenreaktion aus der Szene
  3. Ein Blick auf die Zahlen – und die Realität dazwischen
  4. Ein Satz, der hängen bleibt

Lee sagt im Gespräch, dass KI längst im Alltag der Entwicklungsstudios angekommen sei und Produktionen effizienter mache. Und er schiebt direkt hinterher, dass es aus seiner Sicht wichtig sei, erst einmal davon auszugehen, dass „jedes Game-Studio inzwischen KI einsetzt“. Das klingt weniger wie eine Prognose – und mehr wie eine Realität, die Nexon für sich bereits gesetzt hat.

Warum Nexon glaubt, dass KI inzwischen Standard ist

Lee beschreibt KI als eine Technologie, die das Grundniveau vieler Spiele hebt, vor allem in Live-Operations und großen Produktionsprozessen. Für ihn bedeutet das, dass Wettbewerbsfähigkeit künftig nicht mehr darüber entsteht, ob man KI nutzt, sondern wie man sich in einem Umfeld behauptet, in dem alle auf ähnliche Tools zugreifen.

Für ihn bleibt deshalb ein Punkt der entscheidende Hebel: kreative Entscheidungen. Human creativity, wie er sagt. Die Ideen, der Stil, die Haltung eines Studios sollen den Unterschied machen, wenn alle dasselbe technische Fundament nutzen. Das klingt nach einer klassischen Nexon-Haltung – pragmatisch, aber klar darin, dass Tools allein keine Hits schreiben.

Und dann kommt die Gegenreaktion aus der Szene

Sobald das Interview kursierte, meldeten sich mehrere Indies zu Wort, und zwar mit einer Deutlichkeit, die die Stimmungslage in der Branche sehr gut einfängt. D-Cell Games-Produzent Jeffrey Chiao stellte klar, dass bei Unbeatable jeder Frame, jedes Geräusch, jede Zeile Code von Menschen stammt – ohne generative KI, ohne Umwege.

Necrosoft Games ging noch weiter und schrieb, dass sie sich „lieber die Arme abhacken würden“, als generative KI einzusetzen. Und Anwältin Hayley MacLean, die viele Indie-Studios vertritt, sagte offen, dass sie keinem ihrer Klienten zum Einsatz solcher Tools raten würde – selbst wenn sie es wollten. Diese Haltung macht sichtbar, wie groß der kulturelle Graben zwischen AAA-Strukturen und unabhängigen Teams geworden ist, wenn es um KI geht.

Ein Blick auf die Zahlen – und die Realität dazwischen

Trotz dieser lauten Gegenstimmen zeigen aktuelle Surveys ein sehr gemischtes Bild. Eine Google-Cloud-Studie aus dem Sommer deutet darauf hin, dass rund neunzig Prozent der befragten Entwickler:innen in mehreren Ländern generative KI bereits in ihre Workflows eingebunden haben. Das klingt fast schon nach dem Szenario, das Lee beschreibt: eine Branche, die sich längst angepasst hat.

Die GDC-Umfrage aus demselben Jahr zeichnet ein anderes Bild. Dort sagen dreißig Prozent der Befragten, dass generative KI der Branche schadet. Die Mehrheit gibt jedoch an, in Studios zu arbeiten, die diese Tools bereits aktiv nutzen. Zwischen Befürwortung und Ablehnung existiert also ein Spannungsfeld, das man gerade überall spürt – in Foren, auf Panels und hinter den Kulissen.

Ein Satz, der hängen bleibt

Als Nexon-CEO Lee sagt, man müsse davon ausgehen, dass alle großen Studios KI nutzen, trifft er damit genau diese Branchenrealität – aber nicht unbedingt die Stimmung der Szene. Die Diskussion ist damit nicht beendet, sie nimmt nur wieder Fahrt auf. Und je größer die Differenz zwischen Studio-Strategien und Community-Wahrnehmung wird, desto lauter wird sie werden.


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Author
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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️