Es gibt diese Spiele, bei denen man nach der ersten Runde schon ahnt: Das könnte sehr, sehr viele Nächte fressen. Master of Piece: Prologue ist für mich genau so ein Fall gewesen. Auf den ersten Blick wirkt es simpel – fast schon harmlos. Ein paar Figuren aufs Spielfeld setzen, abwarten, was passiert. Aber die Wahrheit ist: Hinter dieser unscheinbaren Fassade steckt ein richtig fieser Strudel aus Taktik, Synergien und dem ewigen „Okay, nur noch ein Run“.
- Taktik auf den Punkt
- Brettspiel-Flair mit Roguelike-Sucht
- Darkest Dungeon lässt grüßen
- Ein Run ist nie genug
- Mein Fazit nach der Demo
Taktik auf den Punkt
Das Grundprinzip ist so klar, dass man es in einer Minute verstanden hat: Du setzt pro Runde eine Figur, und dann laufen die Züge automatisch ab, in Reihenfolge nach Geschwindigkeit. Fertig. Klingt banal, ist aber die perfekte Falle. Denn natürlich geht es nicht darum, irgendeine Figur zu setzen – sondern die richtige, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
Schon nach ein paar Partien habe ich gemerkt, wie wichtig die kleinen Unterschiede sind. Ein Berserker, der mit jedem Treffer stärker wird. Ein Sniper, der Gegner schon beim Eintritt zerlegt. Ein Paladin, der andere beschützt, bis sie endlich in Fahrt kommen. Setzt du die falsch, wirken sie wie harmlose Schachfiguren. Setzt du sie clever, explodieren die Synergien.
Es hat mich total an meine ersten Stunden mit Slay the Spire erinnert: erst denkst du, du hast alles im Griff – und dann merkst du, dass du eigentlich gar nichts verstanden hast.

Brettspiel-Flair mit Roguelike-Sucht
Was ich an Master of Piece liebe: Es hat diese Brettspiel-Energie. Alles ist aufgeräumt, klar, nachvollziehbar – wie Figuren auf einem Spielbrett. Aber darunter steckt die komplette Roguelike-DNA: Zufällige Events, Relikte, Traits, unterschiedliche Wege, die du einschlagen kannst.
Der Slay-the-Spire-ähnliche Pfad macht richtig Laune. Mal ein Gebäude, in dem du neue Söldner rekrutierst. Mal ein Event, das dir ein Relikt schenkt – oder dir eins wegnimmt. Mal ein Kampf, der dich in Sekunden zerreißt, nur weil du eine Entscheidung zu früh getroffen hast. Jeder Run erzählt seine eigene kleine Geschichte, und du weißt nie, ob du gerade einen epischen Build aufbaust oder gleich jämmerlich scheiterst.
Darkest Dungeon lässt grüßen
Optisch fährt Master of Piece einen Stil, der sofort hängen bleibt. Düster, grob, bedrückend – man spürt förmlich den Staub und die Kälte in jedem Artwork. Es erinnert stark an Darkest Dungeon, ohne eine Kopie zu sein. Figuren sehen so aus, als könntest du sie direkt in Miniaturform auf den Tisch stellen.
Was ich daran mag: Es lenkt nicht ab. Keine bunten Explosionen, kein Effekt-Overkill. Stattdessen Klarheit. Und gerade weil es so düster ist, fühlen sich Siege noch intensiver an. Wenn dein Team überlebt, dann weißt du: Das war kein Glück, das war kluge Planung.
Ein Run ist nie genug
Mein erster Durchlauf war ehrlich gesagt ein Desaster. Falsche Traits kombiniert, Relikte schlecht genutzt, und spätestens im Midgame war ich Geschichte. Aber genau da lag die Stärke: Ich wollte sofort wieder rein.
„Was, wenn ich diesmal den Berserker mit dem Sniper kombiniere?“
„Was, wenn ich diesen Paladin früher ins Feld schicke?“
„Was, wenn ich diesen einen Weg gehe, der letztes Mal mein Todesurteil war?“
Es ist diese Spirale, die Roguelikes so gefährlich macht. Master of Piece ist simpel genug, dass du jederzeit wieder einsteigen kannst, aber tief genug, dass du dich stundenlang in Traits, Relikten und Synergien verlieren kannst.

Mein Fazit nach der Demo
Master of Piece: Prologue ist kein lautes Spiel. Es schreit dich nicht mit Effekten an, es schmeißt dir keine Belohnungen hinterher. Stattdessen setzt es auf Atmosphäre, auf Klarheit und auf eine Tiefe, die du erst nach und nach entdeckst.
Für mich ist es die perfekte Mischung aus Brettspiel und Roguelike. Es hat diesen „Einfach noch eine Runde“-Sog von Slay the Spire, gepaart mit dem düsteren Charme von Darkest Dungeon. Und genau das macht es gefährlich.
Ich bin ziemlich sicher: Das hier könnte eins dieser Spiele werden, bei denen man irgendwann morgens um drei Uhr ins Leere starrt und denkt: „Okay, letzter Run.“ Nur um dann direkt noch einen zu starten.
Veröffentlicht: 3. Oktober 2025 11:23 Uhr